Was ist Palliativmedizin?

Die Palliativmedizin umfasst im engeren Sinn den ärztlichen Anteil an der Palliative Care, die sich als eine umfassende Betreuung und Begleitung von Menschen versteht, die an einer unheilbaren Erkrankung leiden. Im Fokus steht der Erhalt der bestmöglichen Lebensqualität durch Symptomlinderung auf allen Ebenen. Ebenso wichtig ist die Aufmerksamkeit den Angehörigen gegenüber, die durch die Erkrankung eines nahen Menschen stark in Mitleidenschaft gezogen werden. Eine unheilbare, fortschreitende Erkrankung bringt nicht nur körperliches, sondern auch psychisches und seelisches Leiden mit sich. Diesem Verwobensein wende ich mich als Ärztin zu.

 

Die Begründerin der Palliative Care und Hospizarbeit, Cicely Saunders, war eine aussergewöhnliche Persönlichkeit, die Ausserordentliches bewirkt hat.
Ihr beruflicher Werdegang lässt aufhorchen. 1918 im Norden von London geboren, beginnt sie 1937 ein Studium in Philosophie, Politik und Ökonomie, das sie kurz nach Ausbruch des 2. Weltkrieges abbricht, um etwas Nützlicheres zu tun und lässt sich zur Krankenschwester ausbilden. Nach Kriegsende nimmt sie ihr Studium wieder auf und schliess es 1947 mit einem Diplom in Public and Social Administration ab. Nebst ihrer Tätigkeit als Fürsorgerin setzt sie sich als Freiwillige in der Krankenpflege ein. In einem Londoner Spital begegnet sie vielen Patient*innen im Endstadium ihrer Erkrankung und nimmt ihr grosses Leiden – insbesondere wegen unerträglicher Schmerzen – wahr. Ein totkranker Holocaust Überlebender, den sie in seiner letzten Lebensphase begleitet, vermacht ihr 1947 sein bescheidenes Vermögen, damit sie ein „Sterbeheim“ eröffnen kann, wo Menschen in Würde und umsorgt sterben können. Cicely Saunders studiert daraufhin Medizin, um dieser Aufgabe gewachsen zu sein. 1967 öffnet das erste Hospiz – das St. Christopher’s Hospice in London – seine Tore, welches sie bis 1985 leitete und wo sie am 14.7.2005 auch verstarb.